Veränderungen von Arbeitszeitmodellen benötigen Zeit – wer sich auf den Weg Richtung Industrie 4.0 aufmachen will, muss besser heute als morgen mit der Veränderung der Arbeitszeiten beginnen.

Schon heute erreichen viele Unternehmen nicht die benötigte Flexibilität

Bedarf an einer flexiblen Reaktionsfähigkeit auf unterschiedliche Auslastungssituationen und Produktionsprogramme gibt es schon heute in fast allen produzierenden Unternehmen. Und schon heute fällt es vielfach schwer, die notwendige Flexibilität insbesondere der benötigten Mitarbeiter-Kapazität zu mobilisieren.

Typische Ansätze, die wir heute vorfinden, sind z.B.:

  • Kurzfristige Ansage von Zusatzschichten oder Absage einzelner Schichten – dabei werden die Zusatzschichten meist auf den sonst arbeitsfreien Samstag gelegt
  • Kurzfristiges einbestellen zusätzlicher Mitarbeiter
  • Absage bereits genehmigten Urlaubs
  • Flexibilität wird überwiegend durch externe Kapazitäten (Leiharbeit, Aushilfen, Werkverträge) mobilisiert oder durch Überstunden, nicht aber durch den Bedarfsschwankungen angepassten Einsatz der fest angestellten Mitarbeiter

Diese eingeschränkten Möglichkeiten flexibler Reaktion haben aber ihren Preis. Denn bei den Mitarbeitern sind kurzfristig angeordnete Zusatzschichten äußerst unbeliebt, erst recht, wenn sie auf den ansonsten arbeitsfreien Samstag fallen. Gegen Zusatzzahlungen lässt sich die Bereitschaft dazu in begrenztem Umfang erkaufen. Echte Flexibilität, die auch eine Anpassung der Kapazität nach unten beinhaltet, entsteht dadurch nicht. Auch das Ausweichen auf externe

loesungsbausteine01- Umsetzung Arbeitszeitmodelle

* Quelle: Produktionsarbeit der Zukunft – Industrie 4.0, Fraunhofer-Verlag, Stuttgart, 2013; Basis: Befragung von 661 produzierenden Unternehmen in Deutschland

Kapazitäten hat häufig negative Wirkungen: Die temporär beschäftigten Aushilfen oder Leiharbeiter sind nicht in gleichem Maße qualifiziert wie die feste Belegschaft, sie binden Kapazitäten der eigenen Mitarbeiter, die sich um die Einarbeitung und Überwachung kümmern müssen und es entstehen Qualitätsprobleme.

Was wir in Folge der nur schwach ausgeprägten Flexibilitätskonzepte deshalb regelmäßig erleben, sind die folgenden Konsequenzen:

  • In vielen Unternehmen steigen die Krankheitsquoten an
  • Mitarbeiter und Betriebsräte sind nicht auf Dauer bereit, die Belastung durch kurzfristige Ankündigung oder Absage von Schichten zu akzeptieren
  • Die vorhandenen Flexibiltätsmechanismen sind zu grobkörnig, um den jeweiligen Personalbedarf gut zu treffen, so dass es trotz aller Bemühungen je nach Auslastungssituation zu Überkapazitäten und Unterbesetzungen kommt – also zu unnötigen Zusatzkosten

Die Nutzung von Leiharbeit und anderen temporären Ressourcen dürfte auf Dauer auch nicht in dem heute verbreiteten Ausmaß umsetzbar sein. Qualitätsprobleme einerseits und die politischen bzw. tariflichen Ansätze in Richtung „equal pay“ werden Leiharbeit zukünftig auf das beschränken, wofür sie auch primär geeignet ist: Zur Überbrückung vorübergehender Personalengpässe.

loesungsbausteine02- Umsetzung Arbeitszeitmodelle

Veränderungen von Arbeitszeitmodellen benötigen Zeit

Die Veränderung von Arbeitszeitmodellen gehört zu den sensibelsten Themen in der Arbeitswelt überhaupt. Jeder Mitarbeiter fühlt sich unmittelbar betroffen, denn es geht um die Frage, wann er Freizeit hat und wie er sie nutzen kann. Alle Beschäftigten haben sich in irgendeiner Form auf die heute bestehenden Arbeitszeitregelungen eingestellt, so dass eine Änderung mit hoher Wahrscheinlichkeit erst einmal als Störung empfunden wird. Und es gibt meist auch eine grundsätzliche Skepsis, dass ein mehr an betrieblicher Flexibilität grundsätzlich zum Nachteil der Beschäftigten ist.

Veränderungen von Arbeitszeitmodellen erfordern immer die Mitwirkung und Zustimmung der Betriebsräte. Und auch für die Betriebsräte birgt das Thema zunächst einmal das Risiko, sich durch die Zustimmung zu unpopulären Veränderungen bei ihren Wählern unbeliebt zu machen. Eine Wahrung des Status Quo erscheint demgegenüber weniger riskant.

So ist es kein Wunder, dass heute schon kleine, banale Änderungen an Schichtsystemen auf Widerstände stoßen und relativ viel Zeit für die Umsetzung benötigen. Wenn wir zusätzlich bedenken, dass eine grundsätzliche Neuausrichtung der Arbeitszeitgestaltung einen Kulturwandel beinhaltet, der auch die Führungskräfte und deren Umgang mit den Mitarbeitern und deren Zeitressourcen betrifft, wird endgültig klar, dass es sich um ein komplexes Vorgehen handelt, dem genügend Zeit eingeräumt werden muss.

Die Konsequenzen daraus:

  • Ein Projekt zur bedarfsgerechten Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist ein sensibles Vorgehen, das auf einer solide analysierten Faktenbasis aufbauen und eine breite Themenpalette umfassen muss.
  • Ein solches Projekt benötigt einen intensiven Dialog mit Mitarbeitern und Betriebsräten, um eine stabile Basis für eine sachliche, lösungsorientierte Diskussion zu schaffen.
  • Die Veränderungen benötigen Zeit, schon alleine für die damit verbundenen Vereinbarungen mit den Mitbestimmungsgremien.

Der Wandel zu mehr Flexibilität ist zwingend erforderlich – also besser heute als morgen damit starten!

Wenn klar ist, dass es schon heute an der notwendigen Flexibilität zum wirtschaftlich effizienten Umgang mit Auslastungsschwankungen fehlt, dass in Zukunft noch mehr Flexibilität erforderlich sein wird und die nötigen Veränderungen Zeit erfordern, kann die Konsequenz nur lauten: Besser heute als morgen mit dem Veränderungsprozess beginnen!

Denn:

  • Mit einer stufenweise betriebenen Veränderung können schon kurzfristig die ersten Erfolge eingespielt werden
  • Wenn in einigen Jahren die technologischen Vorausset-zungen für die digitalisierte Produktion der Zukunft geschaffen sein sollten, wäre es bereits zu spät, um erst dann in die Veränderung der Arbeitszeiten zu starten: Dieser Veränderungsprozess würde dann zu lange dauern und die erheblichen Investitionen in die Produktionsanlagen könnten sich über Jahre nicht amortisieren, weil die Flexibilität der Personalressourcen mit der Flexibilität der Produktionsverfahren nicht Schritt hält.
  • Durch einen verspäteten Einstieg in die Veränderung der  Arbeitszeitmodelle wird die Gefahr heraufbeschworen,  dass das Projekt aufgrund des erheblichen Zeitdrucks falsch angegangen wird und in einer Konfrontation zwischen

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Mitarbeitern bzw. Betriebsrat und Geschäftsführung endet. Ist dieser Zustand erst einmal erreicht, wäre das Thema für längere Zeit verbrannt und kaum noch konstruktiv lösbar.
Die großen Potentiale für eine Win-Win-Situation (wirtschaftlicher Nutzen mit gleichzeitig für die Mitarbeiter attraktiven Lösungen) wären dauerhaft verschenkt.

Wer in Zukunft Industrie 4.0 realisieren möchte, muss heute mit Arbeitszeit 4.0 beginnen!

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