Der Einstieg in Arbeitszeit 4.0 bringt bereits kurzfristig wirtschaftlichen Nutzen und ist darüber hinaus notwendige Voraussetzung für die flexible und digitalisierte Produktion von morgen.

Eine Flexibilisierung nach dem Arbeitszeit-4.0-Konzept amortisiert sich schon unter heutigen Bedingungen in kurzer Zeit

Schon heute erreichen viele Unternehmen nicht die notwendige Flexibilität des Personaleinsatzes, um effizient auf die vorhandenen Auftragsschwankungen reagieren zu können.
Ein stufenweiser Einstieg in die Flexibilisierung nach dem Arbeitszeit-4.0-Konzept (siehe Abbildung unten) beginnt daher mit den wichtigsten Maßnahmen, die eine Reaktion auf die heutigen Flexibilitäts-Anforderungen ermöglichen und so zu einer kurzfristigen Amortisation der ersten Projektschritte führen.

Flexible Schichten in Schichtplänen sind ein Einstieg.
In einem Unternehmen, das heute eher starre Schichtpläne hat, die schon bei der Frage, wie aufgrund von Krankheit oder Urlaub abwesende Mitarbeiter vertreten werden können, ins Wanken geraten, könnten die ersten Schritte darin bestehen, dass flexible Schichten in die Schichtpläne eingearbeitet werden, die sowohl die Abwesenheitsvertretung als auch eine partielle Anpassung der Besetzungsstärken an die jeweilige Auftragslage ermöglichen. Zusätzlich könnte mit der Einführung von saisonal (bzw. je nach Auftragslage) angepassten Schichtplänen und von Zeitwertkonten begonnen werden. Ersteres erweitert die flexiblen Anpassungsmöglichkeiten an Auslastungsschwankungen, letzteres steigert die Attraktivität als Arbeitgeber und schafft die Voraussetzung für die in einer späteren Projektstufe erfolgende Nutzung von Lebensarbeitszeitmodellen.

Flexible Schichtplanung schafft unmittelbaren Nutzen
Schon diese ersten Veränderungsschritte binden Ressourcen und erzeugen Kosten. Aber: Kaum eine Investition amortisiert sich in so kurzer Frist und erzielt bessere, nachhaltige wirtschaftliche Effekte als die Investition in die flexible Anpassungsfähigkeit der personellen Ressourcen. Die Erfahrungen aus unseren Projekten der letzten zehn Jahre belegen, dass damit in kurzer Zeit Einsparungen von 5 bis 10% der Personalkosten (und das ohne Stellenabbau!) erreicht werden. Mit solchen „Quick Wins“ wird in allen Unternehmensbereichen das Vertrauen in den Nutzen der Flexibilisierung und damit die Veränderungsbereitschaft gestärkt – und damit die Voraussetzung für die weiteren Schritte der Flexibilisierung geschaffen!

loesung-unternehmen01 - nutzen flexible Schichtplanung

Beispiel für eine stufenweise Umsetzung von Arbeitszeit 4.0 mit kurzer Amortisationszeit

 

Ohne Arbeitszeit 4.0 wird die Produktion der Zukunft nicht gelingen

Es ist gut zu wissen, dass die Einführung einer Arbeitszeit 4.0 aus sich heraus wirtschaftlich ist und sich innerhalb kurzer Zeit amortisiert – und dies bereits unter den heutigen Rahmenbedingungen der Produktion. Aber selbst wenn dies nicht so wäre, ginge an den Konzepten der Arbeitszeit 4.0 kein Weg vorbei.

Die Produktion der Zukunft wird einen deutlich flexibleren Einsatz der Mitarbeiter erfordern.
Immer individueller gefertigte Produkte („Losgröße eins“) bei weiter steigender Variantenvielfalt und die Forderung nach immer kürzeren Lieferfristen führen dazu, dass Produktions- und damit Schichtpläne in immer kürzeren Fristen erstellt und modifiziert werden müssen. Die Befragung von 661 produzierenden Unternehmen in Deutschland nach ihren Erwartungen an die Produktionsarbeit der Zukunft, durchgeführt 2013 von Fraunhofer IAO, belegt dies: Die Bedarfsschwankungen werden zunehmen, Unternehmen müssen noch kurzfristiger auf Kundenwünsche reagieren, die bestehenden Regelungen für einen flexiblen Mitarbeitereinsatz müssen erweitert werden (siehe Abbildung unten).
 
Gleichzeitig wird der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern wachsen,
weil  die Bedienung und Überwachung der digitalisierten und miteinander vernetzten Produktionsanlagen immer komplexer wird. Die Anzahl am Arbeitsmarkt verfügbarer qualifizierten Mitarbeiter wird aber aufgrund der demografischen Entwicklung (die Babyboomer gehen auf die Rente zu, junge Menschen wachsen nicht in gleicher Anzahl nach) zurückgehen. Wer zukünftig also noch qualifizierte Mitarbeiter für sich gewinnen und an das Unternehmen binden will, muss sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren, der auch auf die Bedürfnisse der jungen Generation nach einer verbesserten Work-Life-Balance eingeht. Arbeitgeber sind also gezwungen, flexible Arbeitszeitlösungen zu finden, die ihren Produktionsanforderungen genügen (bedarfsgerechter Einsatz der Mitarbeiter, flexibel dem jeweiligen Produktionsplan entsprechend) und gleichzeitig auf Zustimmung bei ihren Mitarbeitern stoßen.

Im Grundsatz gibt es also nur drei Alternativen für die zukünftige Ausrichtung eines Produktionsunternehmens:

  • Wir verzichten auf Digitalisierung und Flexibilisierung – und gehen damit das Risiko ein, in spätestens zehn Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein.
  • Wir investieren in die Digitalisierung und dann schauen wir später einmal, wie sich das auf unsere Personalplanung und -steuerung in der Produktion auswirkt – dann werden wir nach erfolgter „Aufrüstung“ der Produktion feststellen, dass die gewünschten Effekte sich nicht einstellen, weil die Konzepte und Vereinbarungen zur Arbeitszeit und Einsatzplanung die Nutzung der flexiblen Produktionsanlagen nicht ermöglichen. Eine solche erhebliche Investition, die sich über Jahr aufgrund mangelnder Personalkonzepte nicht amortisieren kann, kann ebenfalls zum existenziellen Risiko für das Unternehmen werden.
  • Wir steigen bereits heute in die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und entsprechende Konzepte der Einsatzplanung ein, erzielen damit erste kurzfristige wirtschaftliche Erfolge und schaffen die unverzichtbaren Voraussetzungen für die flexible, digitalisierte Produktion der Zukunft.

Uns scheint die richtige Entscheidung zwischen diesen Alternativen nicht schwer zu sein!

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Quelle: Produktionsarbeit der Zukunft – Industrie 4.0, Fraunhofer-Verlag, Stuttgart, 2013; Basis: Befragung von 661 produzierenden Unternehmen in Deutschland

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