Arbeitszeit 4.0 erfordert keine Konfrontation mit Mitarbeitern oder Betriebsrat und ist deshalb tatsächlich umsetzbar.

Wie kann Arbeitszeit 4.0 konkret aussehen? Um eine Vorstellung zu geben, wie man mit individualisierter Flexibilität der Mitarbeiter die Gesamtflexibilität des Unternehmens abdecken kann, wird im Folgenden ein fiktives Beispiel beschrieben. Dies ist eines von vielen möglichen Ausprägungen von Arbeitszeit 4.0.

Die Lösung für ein konkretes Unternehmen wird individuell immer etwas unterschiedlich aussehen, aber wir sind überzeugt, dass es für jedes Unternehmen ein spezifisches und genau passendes Arbeitszeit-4.0-Modell gibt. Im Beispiel werden verschiedene Arbeitszeitformen mit einem Lebensarbeitszeitmodell verknüpft.

Müller & Meier AG

Die Müller & Meier AG ist ein Fertigungsunternehmen, das seine Produkte in vollkontinuierlicher Produktion herstellt. Während man früher die Produkte in Großserien für den Handel gefertigt hat, führen immer mehr Varianten und der Vertrieb über einen Onlineshop zu erheblichen Auftragsschwankungen.

Die Auftragsschwankungen unterliegen einer prognostizierbaren Saisonalität, die Prognosegenauigkeit für einzelne Wochen liegt bei einem Horizont von 4 Wochen bei +-10 Prozent.

Auf Basis eines definierten Personaleinsatzplanungsprozesses gibt es eine Jahresplanung, eine Mittelfristplanung rollierend für die nächsten vier Wochen und eine konkrete Wochenplanung.

Um sowohl dem Bedarf als auch der Work-Life-Balance der Mitarbeiter gerecht zu werden, gibt es vier Arbeitszeitmodelle mit jeweils zunehmendem Flexibilitätsgrad für Unternehmen und Mitarbeiter. Je flexibler ein Modell ist, desto höher ist eine entsprechende Flexibilitätszulage für die Mitarbeiter, da Flexibilität für die Müller & Meier AG einen hohen Wert aufgrund von Produktivitätsgewinnen (z.B. durch Vermeidung von Leerzeiten) hat. Die Flexibilität gilt für beide Seiten: Je höher die Flexibilität des Mitarbeitenden ist, desto mehr Flexibilität kann er auch für sich in Anspruch nehmen.

beispiele01 - Lebensarbeitszeitmodell

Herr Meier, Personaleinsatzplaner

Herr Meier arbeitet gerade an der Mittelfristplanung für die nächsten vier Wochen und die konkrete Planung für die kommende Woche. Hierfür aktualisiert er erst einmal seine Bedarfsprognose und schaut, ob das benötigte Volumen an Arbeitsstunden in der Produktion je Woche vorhanden ist. Dabei fällt ihm folgendes auf: In der vierten Woche fehlen ihm in Summe 40 Stunden Arbeitszeit für Maschinenbediener. Daraufhin sieht er sich die Woche näher an und stellt fest, dass z.B. konkret am Montag zwischen 12 und 17 Uhr sowie am  Dienstag zwischen 15 und 22 Uhr die Maschine noch nicht besetzt ist.

Darüber hinaus stellt er fest, dass in der kommenden Woche am Donnerstag zwischen 13 und 22 Uhr noch 17 Arbeitsstunden fehlen und gerade im Moment bekommt er eine Krankmeldung, so dass für morgen zwischen 14 und 22 Uhr ein Mitarbeiter ausfällt

Mit folgenden Mitarbeitenden kann Herr Meier seine Probleme lösen:

beispiele02

Paul Reiter,
23 Jahre, unverheiratet, keine Kinder

Paul Reiter hat sich für das flexibelste Modell, Flex+ entschieden, weshalb der auch noch kurzfristig für morgen eingeplant werden kann.

Flex+ -Modell

Eigenschaften des Modells

  • Vollzeit, durchschnittliche Wochenarbeitszeit 37,5 Stunden, innerhalb einer Woche kann die Wochenarbeitszeit zwischen 28 und 45 Stunden variieren
  • Der Mitarbeiter kann sich jeweils für 4 Wochen im Voraus im Rahmen des Bedarfs mindestens einen freien Tag pro Woche fest wünschen, alle anderen Tage sind potenzielle Arbeitstage
  • In der Wochenplanung werden die Arbeitstage bzw. Reserveschichten und die Lage und Länge der jeweiligen Schicht  jeweils für die Folgewoche festgelegt
  • Die Länge einer Schicht kann innerhalb des Tages noch um +/- eine Stunde verändert werden (auf freiwilliger Basis auch mehr), bei Schichtlängen von minimal 4 und maximal 9 Stunden
  • Reserveschichten (optionale Schichten) können mit einer Ankündigungsfrist von einem Tag abgesagt oder in eine konkrete Schicht umgewandelt werden

Vergünstigung für den Mitarbeiter im Rahmen dieses Modells

  • Seine Wünsche (Urlaub, Frei, Schichttausch, früheres Gehen innerhalb eines Tages) werden bevorzugt gegenüber Mitarbeitenden mit weniger flexiblen Modellen behandelt
  • Er erhält pro Jahr zwei zusätzliche Urlaubstage als Ausgleich für die erhöhte Flexibilität
  • Für seine Flexibilität erhält er eine Zulage
  • Recht zur Teilnahme am Lebensarbeitszeitmodell: Die Flexibilitätszulage, die Vergütung für ggf. anfallende Mehrarbeit oder auch Bestandteile des laufenden Entgelts können nach freier Entscheidung des Mitarbeiters in ein Lebensarbeitszeitkonto eingezahlt werden, das zur Finanzierung von Zeiten mit reduzierter Arbeitszeit oder vollständiger Freistellung verwendet werden kann. Auf alles, was der Mitarbeiter in sein Lebensarbeitszeitkonto einzahlt, bekommt er einen Zuschuss von 10% durch den Arbeitgeber.
  • An drei Tagen je Quartal kann er mit einer Ankündigung von einer Woche bestimmen, dass er frei haben wird, unabhängig vom Bedarf

 

Da Herr Reiter morgen eine Reserveschicht in seinem Schichtplan hat und am Folgetag ohnehin für eine Spätschicht eingeplant ist, kann Herr Meier seine Reserveschicht noch in eine Schicht zwischen 14 und 22 Uhr umwandeln. Herr Reiter erfährt über seine Schichtplan-App sofort von der Schichtänderung und kann sich darauf einstellen.

beispiele03

Robert Schmid,
54 Jahre, verheiratet, 2 erwachsene Kinder

Robert Schmid war früher im  Basis-Modell, hat sich aber seit seine Kinder aus dem Haus sind, für das Flex-Modell entschieden, da es ihm aufgrund der Zulage und der größeren Flexibilität erlaubt, sein Lebensarbeitszeitkonto aufzubauen, um später einmal die Arbeitszeit reduzieren zu können, ohne finanzielle Einbußen hinzunehmen.

Flex-Modell

Eigenschaften des Modells

  • Vollzeit, durchschnittliche Wochenarbeitszeit 37,5 Stunden, innerhalb einer Woche kann die Wochenarbeitszeit zwischen 28 und 45 Stunden variieren
  • Festlegung der Arbeitstage, Reserveschichten und freien Tage für 12 Wochen im Voraus
  • Festlegung der konkreten Schichtart (Früh-, Spät- oder Nachtschicht) für zwei Wochen im Voraus
  • Festlegung der Länge der einzelnen Schichten mit der Wochenplanung
  • Die Länge der Schicht kann innerhalb des Tages nur auf freiwilliger Basis verändert werden, bei Schichtlängen
    von minimal 4 und maximal 9 Stunden
  • Reserveschichten (optionale Schichten) können mit einer Ankündigungsfrist 2 Tagen abgesagt oder in eine konkrete Schicht umgewandelt werden

Vergünstigung für den Mitarbeiter im Rahmen dieses Modells

  • Seine Wünsche (Urlaub, Frei, Schichttausch, früheres Gehen) werden bevorzugt gegenüber Mitarbeitenden mit weniger flexiblen Modellen behandelt, die Wünsche von Mitarbeitenden aus dem Flex+-Modell gehen aber vor
  • Er erhält pro Jahr einen zusätzlichen Urlaubstag als Ausgleich für die erhöhte Flexibilität
  • Für seine Flexibilität erhält er eine Zulage (die aber geringer ist als im Flex+-Modell)
  • Recht zur Teilnahme am Lebensarbeitszeitmodell: Die Flexibilitätszulage, die Vergütung für ggf. anfallende Mehrarbeit oder auch Bestandteile des laufenden Entgelts können nach freier Entscheidung des Mitarbeiters in ein Lebensarbeitszeitkonto eingezahlt werden, das zur Finanzierung von Zeiten mit reduzierter Arbeitszeit oder    vollständiger Freistellung verwendet werden kann. Auf alles, was der Mitarbeiter in sein Lebensarbeitszeitkonto   einzahlt, bekommt er einen Zuschuss von 10% durch den Arbeitgeber.

 

Herr Schmid hat am kommenden Donnerstag eine Reserveschicht und kann daher die fehlende Schicht zwischen 13 und 22 Uhr eingeplant bekommen.

beispiele04

Barbara Sauer,
43 Jahre verheiratet, 3 schulpflichtige Kinder

Frau Sauer war vor der Geburt Ihrer Kinder in Vollzeit beschäftigt und hat nach der Elternzeit ihre Arbeitszeit auf 20 Stunden pro Woche reduziert. Später möchte Frau Sauer wieder in Vollzeit wechseln.

Fix-Modell

Eigenschaften des Modells

  • Teilzeit, 20 Stunden pro Woche, feste Arbeitszeit: Mo-Fr 8 – 12 Uhr
  • Bei Bedarf kann sie auf freiwilliger Basis auch mehr und zu anderen Zeiten arbeiten
  • Abwesenheiten (Urlaub, Zeitausgleich o.ä.) müssen langfristig geplant werden

Vergünstigung für die Mitarbeiterin im Rahmen dieses Modells

  • Sie darf Schichten mit anderen Mitarbeitern tauschen

Frau Sauer arbeitet am Montag in 4 Wochen in der Schicht von 8:00 – 12:00 Uhr, so dass es einen Bedarf gibt, dies im Anschluss fortzusetzen.

beispiele05

Klaus Richter,
62 Jahre verheiratet, 2 erwachsene Kinder

Klaus Richter hat vorher in Vollzeit im Flex-Modell gearbeitet, hat nun aber seine Stunden auf durchschnittlich 30 Stunden pro Woche gesenkt, da er die Arbeitsbelastung reduzieren möchte. Finanziell muss er kaum Abstriche machen, da er aus seinem Lebensarbeitszeitkonto eine Entgelt-Aufstockung auf 90% seines Vollzeit-Entgelts finanziert, so dass netto nur eine minimale Differenz zum Vollzeit-Entgelt entsteht.

Flex-Modell

Eigenschaften des Modells

  • Vollzeit, durchschnittliche Wochenarbeitszeit 30 Stunden, innerhalb einer Woche kann die Wochenarbeitszeit zwischen 25 und 35 Stunden variieren
  • Festlegung der Arbeitstage, Reserveschichten und freien Tage für 12 Wochen im Voraus
  • Festlegung der konkreten Schichtart (Früh-, Spät- oder Nachtschicht) für zwei Wochen im Voraus
  • Festlegung der Länge der einzelnen Schichten mit der Wochenplanung
  • Die Länge der Schicht kann innerhalb des Tages nur auf freiwilliger Basis verändert werden, bei Schichtlängen von minimal 4 und maximal 9 Stunden
  • Reserveschichten (optionale Schichten) können mit einer Ankündigungsfrist 2 Tagen abgesagt oder in eine konkrete Schicht umgewandelt werden

Vergünstigung für den Mitarbeiter im Rahmen dieses Modells

  • Seine Wünsche (Urlaub, Frei, Schichttausch, früheres Gehen) werden bevorzugt gegenüber Mitarbeitenden mit weniger flexiblen Modellen behandelt, die Wünsche von Mitarbeitenden aus dem Flex+-Modell gehen aber vor
  • Er erhält pro Jahr einen zusätzlichen Urlaubstag als Ausgleich für die erhöhte Flexibilität
  • Für seine Flexibilität erhält er eine Zulage (die aber geringer ist als im Flex+-Modell)
  • Recht zur Teilnahme am Lebensarbeitszeitmodell: Die Flexibilitätszulage, die Vergütung für ggf. anfallende Mehrarbeit oder auch Bestandteile des laufenden Entgelts können nach freier Entscheidung des Mitarbeiters in ein Lebensarbeitszeitkonto eingezahlt werden, das zur Finanzierung von Zeiten mit reduzierter Arbeitszeit oder  vollständiger Freistellung verwendet werden kann. Auf alles, was der Mitarbeiter in sein Lebensarbeitszeitkonto einzahlt, bekommt er einen Zuschuss von 10% durch den Arbeitgeber.

 

Herr Richter hat keine anderweitigen Verpflichtungen, daher kann er öfter auch nachmittags arbeiten, um die Lücken zu schließen, die z.B. dadurch entsteht, dass Frau Sauer nur am Montag in vier Wochen nur bis 12 Uhr arbeiten kann.

Daher plant Herr Maier ihm für Montag in 4 Wochen eine Schicht von 12 bis 17 Uhr ein. Um den Bedarf kommenden Donnerstag zwischen 13:00 und 22:00 Uhr zu decken, wird aus der Reserveschicht von Herrn Richter am Donnerstag die benötigte Schicht.

beispiele06

Jan Huber,
36 Jahre, verheiratet, 2 Kinder, 1 und 3 Jahre

Herr Huber war vor der Geburt seiner Kinder in Vollzeit beschäftigt, hat nun aber die Arbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche reduziert, um etwas mehr Zeit für seine Kinder zu haben. Die Differenz zu seinem Vollzeit Entgelt wird durch das Lebensarbeitszeitkonto ausgeglichen. Er arbeitet ganze Schichten und nimmt immer wieder einen zusätzlichen Tag frei. Er hat sich für das Basismodell entschieden.

Basis-Modell

Eigenschaften des Modells

  • Teilzeit, durchschnittliche Wochenarbeitszeit 35 Stunden, innerhalb einer Woche kann die Wochenarbeitszeit zwischen 28 und 42 Stunden variieren
  • Festlegung der Arbeitstage, Reserveschichten und freien Tage jeweils für ein ganzes Jahr
  • Festlegung der konkreten Schichtart (Früh-, Spät- oder Nachtschicht) vier Wochen im Voraus
  • Festlegung der Länge der einzelnen Schichten zwei Wochen im Voraus
  • In der Wochenplanung werden die Reserveschichten entweder umgewandelt oder freigegeben
  • Die Länge der Schicht kann innerhalb des Tages nur auf freiwilliger Basis verändert werden, bei Schichtlängen von minimal 4 und maximal 9 Stunden

Vergünstigung für den Mitarbeiter im Rahmen dieses Modells

  • Seine Wünsche (Urlaub, Frei, Schichttausch, früheres Gehen) werden bevorzugt gegenüber Mitarbeitenden mit dem Fix-Modell behandelt, die Wünsche von Mitarbeitenden aus den beiden Flex-Modellen gehen aber vor
  • Für seine Flexibilität erhält er eine Zulage, die aber geringer ist als im Flex-Modell
  • Recht zur Teilnahme am Lebensarbeitszeitmodell: Die Flexibilitätszulage, die Vergütung für ggf. anfallende Mehrarbeit oder auch Bestandteile des laufenden Entgelts können nach freier Entscheidung des Mitarbeiters in ein Lebensarbeitszeitkonto eingezahlt werden, das zur Finanzierung von Zeiten mit reduzierter Arbeitszeit oder vollständiger Freistellung verwendet werden kann. Auf alles, was der Mitarbeiter in sein Lebensarbeitszeitkonto einzahlt, bekommt er einen Zuschuss von 10% durch den Arbeitgeber.

 

Herrn Huber wird die Schicht am Dienstag zwischen 15 und 22 Uhr zugeteilt.

Damit hat Herr Meier alle seine Besetzungslücken gedeckt und hat einen validen Plan.

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